der italienische Traum

Ohne irgendwelche Hintergedanken ging ich dieses Jahr mit Luki und meinem Vater an die Moto Zürich. Wie so oft nehmen gewisse Dinge ihren Lauf und es kommt anders heraus, als man gedacht hat.

Ich wusste, dass Niggi, den ihr ja auch schon durch diesen Bericht kennenlernen durftet, mit dem MV Agusta Club dort einen Stand hat. Als wir ihn sahen, wurde erst einmal viel gewitzelt und ein lustiges Gespräch geführt. Niggi führte uns durch den Stand und zeigte uns die beiden Motorräder, die er dort ausgestellt hatte und verkaufen wollte. Zum einen eine 125er und eine 350er Ipotesi. Als ich die 350er Ipotesi sah, war es wie ein Stich, ein Gedanke: Dieses Motorrad ist genau das, was ich als schönen Klassiker bezeichne. Das wusste ich vorher nur noch nicht. Ich fragte Niggi, was er für diesen Hobel möchte. Lächelnd schaute er mich an und sagte in seinem Baseldeutsch: ‘Wills du bisch, nur so viel’. Er nannte einen Betrag, der für mich für so ein Motorrad sehr fair klang. Wie es so ist, kamen die Gedanken: Ich habe doch schon genug Motorräder, es ist trotzdem viel Geld, auch wenn der Preis fair ist, und so weiter. Lukis ermutigende Worte halfen mir nicht, mich dagegen zu entscheiden.

Am Abend war ich mit Luki und meinem Vater noch auf einem Fest. Das Thema kam wieder auf und ich erhielt nur ermutigende Worte. Luki sagte: „Ich bin der Letzte, der dich von einem Motorradkauf abhält. Mein Vater meinte: „Es ist ein sehr schönes Motorrad und bei Niggi ist es immer gepflegt worden.“

Ich brachte dieses Motorrad nicht mehr aus dem Kopf und es wurde zu einem italienischen Traum. Am Montagmorgen griff ich zum Telefon, der Mist war geführt, ich brauche dieses Motorrad. Niggi nahm ab und freute sich sehr, dass er mir die MV Agusta Ipotesi 350s mit Jahrgang 1975-1977 weitergeben kann.

Das Motorrad war ausgelöst und es gab ein, zwei Kleinigkeiten zu erledigen. Niggi versprach mir, dass er mir dabei helfen würde und wir das in seiner Werkstatt erledigen könnten. Von da an trafen wir uns immer wieder bei ihm, zum Schrauben oder um ein Feierabendbier zu geniessen und zu philosophieren, über die Schönheit der italienischen Motorräder. Allerdings haben wir nie eine Testfahrt gemacht. Als ich zur MFK musste, drehte das Motorrad nicht über 5000 touren. Nichtsdestotrotz fuhr ich hin und erklärte mich. Der Prüfer machte sich nicht viel draus und zog die Prüfung durch. Es war alles perfekt, bis auf die Tatsache, dass der Motor nur auf einem Zylinder funktionierte. Nun ja, das hätte man vorher testen können, aber nun gab es halt weitere Schrauber-Aktionen. Unter anderem auch bei Luki in der Werkstatt, denn ein Ultraschallbad erledigt viel Arbeit. Schlussendlich lag es daran, dass eine Düse im Vergaser verstopft war.

Bei den ersten Fahrten wurde mir klar, dass der Rennsport in alten Zeiten extrem waghalsig war. Mit solchen Motorrädern ans Limit des Möglichen zu gehen, ist verrückt. Ich bin es gewohnt, mit alten Motorrädern zu fahren, aber das ist das älteste Sportbike, das ich je gefahren bin. Ich kann euch sagen, dass die Bremsen etwa genauso gut sind, wie wenn ein Kind beim Bobbycar die Füsse an den Boden hält. Die Freude, die ich mit so einem seltenen Motorrad empfinde, mit diesem Sound und dem Gefühl, einen italienischen Traum zu fahren, ist jedoch unbeschreiblich.




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