Ich spreche gerne und ich bin ein grosser Fan der MotoGP. Dass ich mal dabei bin, wenn ein solches Rennen kommentiert wird, ist somit ein nachvollziehbarer Traum, oder? Diesen Traum konnte ich mir letztes Wochenende im Studio von Sky in München erfüllen. Ob das wohl auch so emotional wird, wie zu Hause auf dem Sofa?
Nachdem ich mir am Samstag die Stadt ansah, ging es am Sonntagmorgen früh los zum Sky Studio. Ich war etwas nervös. Dort angekommen, traf ich Lukas Gajewski. Er machte dieses Erlebnis möglich und war an diesem Tag einer der beiden Kommentatoren, neben Florian Alt. Rund um die beiden Kommentatoren gibt es bei einer solchen Produktion aber noch einige andere involvierte Menschen. Da ist der Techniker, der Aufnahmeleiter, der Redaktor und der Übersetzer. Hinzu kommt noch ein Team, das live aus Spielberg, wo das Rennen stattfand, sendete.
Da es vor dem Rennen noch etwas Zeit gab, zeigte mir der Aufnahmeleiter Michael noch das Newsstudio von Sky. Verrückt, die ganze Technik, die es für ein solches Studio benötigt. Nachdem ich noch einen Kaffee aus einer Schweizer Kaffeemaschine erhielt, gingen wir zurück ins MotoGP Studio.
Das Studio besteht aus einem grossen Bildschirm für Analysen und einer Kabine für die Kommentatoren. Darin hängen viele verschiedene Bildschirme. Der eine zeigt das, was wir am TV sehen. Daran können die Kommentatoren oder das Team von Sky nichts ändern. Dieses Bild wird allen Fernsehsendern rund um die Welt zur Verfügung gestellt. Dazu gibt es noch Atmosphärensound, sodass man auch die Motorräder hören kann. Auf den anderen Bildschirmen werden die Daten der Fahrer gezeigt, die Zeiten oder die Positionen auf der Strecke. Hinzu kommen die Tablets und Laptops der Kommentatoren. Darauf können sie Zusatzinformationen abrufen, zum Beispiel die von den Fahrern gewählten Reifen.
Noch bevor das Geschehen im Studio richtig startete, stürzte Acosta im Warm-up. Das Motorrad erlitt einen Totalschaden. Florian Alt, einer der Kommentatoren, merkte an, dass es schwierig sein würde, dass Acosta mit genau diesem Motorrad, seinem Nummer-eins-Motorrad, an den Start gehen kann. Jeder MotoGP-Fahrer hat zwei Motorräder zur Verfügung. Da die beiden nicht hundertprozentig identisch sind, haben die Fahrer immer ein Favoritenmotorrad, mit dem sie sich wohler fühlen. Und genau dieses lag zu diesem Zeitpunkt im Kies. Ob das Folgen haben würde, erfuhren wir erst später.
Dann begann schon das Moto3-Rennen. Die Kommentatoren setzten sich in ihre Kabine und machten ihren Job. Ich war überrascht, wie viel Wissen hier in Windeseile abgerufen wurde, egal zu welchem Fahrer, Team oder Motorrad. Ich durfte die ganze Zeit überall herumschwirren und Video- und Filmaufnahmen machen und war so hautnah dabei. Wichtig war nur, dass ich nicht dann herumschwirrte, wenn Bilder aus dem Studio gemacht wurden.
Dann kam schon das Moto2-Rennen. Wie schon beim Moto3-Rennen lief hier alles sehr professionell und ruhig ab. Jeder hat seine Aufgabe und dann geht’s los. Der Aufnahmeleiter Michael antwortete auf meine Frage, ob hier noch jemand nervös sei: «Nö, ist ja nicht das erste Mal.» Und die beiden Kommentatoren seien ja Profis. Das Moto2-Rennen ging zu Ende und ich wurde als MotoGP-Fan nervöser. Jetzt bin ich einfach dabei.
Das MotoGP-Rennen startete und ich versuchte, so nah wie möglich die besten Aufnahmen zu machen. Ich dachte bis zu diesem Tag, dass ich sehr gut informiert bin, was die MotoGP angeht. Weit gefehlt. Lukas und Florian zeigten, dass man noch viel mehr wissen kann. Gerade was das Technische angeht, war Florian, selbst Rennfahrer, sehr gut informiert. Zum Beispiel, als Marc Marquez nach der Start-Ziel-Geraden komisch bremste, erklärte Florian, dass er nur hinten bremste. Das war daran zu erkennen, wie er in die Kurve kam, und auch daran, dass er den linken Fuss nicht raushielt. Auch kannte Florian jede Unebenheit der Strecke mit Vornamen.
Am Anfang erzählte ich von Acostas Sturz. Dieser hatte anscheinend keinen Einfluss auf das Rennen. Er startete auf Platz 3, fiel kurzzeitig auf Platz zurück und kämpfte sich dann auf Platz eins vor, wo er die letzten neun Runden auch blieb. Für ihn war dies der erste MotoGP-Sieg an einem Sonntag. Und für KTM war es der erste Sieg seit 2022, als Oliveira in Thailand am Sonntag auf den ersten Platz fuhr. Grandios. Auf Platz zwei fuhr Jorge Martin, der die WM-Führung ausbauen konnte und nun 12 Punkte vor Marquez liegt. Dieser hatte etwas Mühe und fuhr auf Platz 5. Der dritte Platz ging an Bezzecchi. Einen muss man nach diesem Rennen jedoch speziell erwähnen: Ai Ogura. Er verletzte sich nach einem Motocross-Unfall nach Silverstone, der linke Daumen brach. So fiel er in Aragon und Misano aus. Spielberg war sein Comeback und was für eines. Am Anfang war er kurz auf Platz drei, dann wurde er von Acosta überholt und behielt den vierten Platz bis zum Ende, und dies nach einer Pause. Grandios.
Nach dem MotoGP-Rennen nahm Lukas noch ein Highlightvideo auf und dann war der ganze Zauber schon zu Ende. Zur Frage vom Anfang, ob es hier genauso emotional zu und her geht wie zu Hause auf dem Sofa? Ich würde sagen, ja. Lukas und Florian liessen ihren Emotionen freien Lauf und das machte das Zuhören zu einem Genuss. Okay, ich muss ehrlich sein, so viel wie zu Hause auf dem Sofa wurde dann doch noch nicht geflucht.
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