Es begann alles mit dem Podcast Pegasoreisen von Claudio. Ein bekannter Podcast, in dem Motorradfahrer von ihren Reisen berichten. Dort war, unter anderen, Friedrich Schatz zu Gast. Er erzählte von seiner Reise durch Afrika. Besonders an dieser Reise war sein Motorrad, ein Dieselmotorrad.
Ich wurde neugierig und begann, zum Thema Dieselmotrräder, zu recherchieren. Er fuhr eine Royal Enfield mit Dieselmotor, welcher er in der Sommermanufaktur zusammenbaute. Natürlich mit Unterstützung von Geschäftsinhaber Jochen Sommer. Lustig daran ist, dass die Karriere von Jochen Sommer mit einem Praktikum bei Fritz Egli, einem schweizer Motorradbauer, begann.
Angetrieben, durch diese Neugier, schrieb ich Friedrich an und fragte, ob er an einem Interview interessiert sei. Das war er. So führten wir über die Festtage 2023 das Interview. Auch danach blieben wir über Instagram in Kontakt, denn schnell war klar: Wir haben denselben rostigen Nagel im Kopf.
Ich war damals schon länger auf der Suche nach einer Kanzel für meine Yamaha FZR 1000 Genesis. In der Schweiz waren in den 1980er Doppelscheinwerfer verboten, deshalb wurde ein rechteckiger Scheinwerfer in die Kanzel eingebaut. Dias gefällt mir überhaupt nicht und ich machte mich auf die Suche nach neuen Scheinwerfern. Bald hatte ich die Doppelscheinwerfer, merkte aber, dass sie nicht ganz in meine vorhandene Kanzel passten. Zusammen mit einem Kollegen fertigten wir ein 3D-Teil, das den Abschluss bilden sollte. Wie immer, wenn ich in der Werkstatt etwas mache, gab es dazu Instastorys – und so erfuhr auch Friedrich von der ganzen Geschichte. Es dauerte nicht lange, bis er mir schrieb, er habe eine originale Kanzel gefunden. Sie hatte zwar die falsche Farbe, doch auch dafür gab es eine Lösung: Sein Vater lackierte sie kurzerhand bei der Arbeit um.
Nun begann die lange Reise der Kanzel. Friedrich schickte sie aus Bayern per Post in die Schweiz. Dort kam sie jedoch nie an und kehrte wieder zurück nach Bayern. Eine neue Lösung musste her. Ich überlegte, das Ganze mit einer Langzeittestfahrt auf einer Suzuki GX zu verbinden. Doch Wetter und Termine machten mir einen Strich durch die Rechnung. So verlängerte die Kanzel ihren Aufenthalt in Bayern. Zum Glück ist Friedrich Servicetechniker und nicht selten im Elsass, unweit meiner Heimat.
Letzten Dienstag war es dann endlich soweit: Ich besuchte Friedrich im Elsass. Er lud mich zum Abendessen ein. Mit riesiger Vorfreude auf die Kanzel und das Treffen mit Friedrich fuhr ich also los. Zusammen mit seinem Arbeitskollegen genossen wir das Essen. Der Arbeitskollege war jedoch nicht irgendwer – es war Fredi Sommer, der Sohn von Jochen Sommer, der die Dieselmotorräder baut. Was für eine Überraschung!
Nach vielen interessanten Geschichten wurde ich langsam müde und auch etwas ungeduldig. Ich wollte die Kanzel endlich sehen. Wir holten sie aus Friedrichs Auto und brachten sie zu meinem Caddy. Sie war hervorragend verpackt. So konnten wir nur eine Ecke betrachten, aber das reichte mir: Die Farbe schien perfekt zu passen. Mit einem breiten Grinsen fuhr ich nach Hause.
Am Donnerstagabend war es dann soweit und ich hatte Zeit, mich an die FZR zu machen. Ich demontierte die alte Kanzel und steckte die neue provisorisch auf die Yamaha FZR 1000. Die Elektrik wird noch etwas Zeit brauchen. Aber mamamia, was für ein Anblick! Einfach herrlich. Ich sass davor und betrachtete sie minutenlang. Ein Kindheitstraum ging in Erfüllung: Ich habe endlich dieses Motorrad so, wie ich es mir immer gewünscht habe. Einfach nur genial!
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