Saisonabschluss mit dem Team Bolliger Teil 1

Wie letztes Jahr durfte icha uch diesen Herbst beim Team Bolliger vorbei und Kevin Bolliger ein paar Fragen zur vergangen Saison stellen, hier ist der erste Teil, viel Spass!

Wie geht es dir und was steht gerade bei euch an?
Es wird oft gesagt, im Herbst und Winter tritt eher Ruhe ein, da die Saison vorbei ist. Die Motorräder sind nun hier, so wie wir sie am Bol d’Or gefahren sind. Das Reservebike haben wir wieder zusammengebaut. Momentan ist es daher auf der mechanischen Seite ruhig. Die Motorräder sind noch an vielen Ausstellungen, somit kann man daran noch nicht viel rumschrauben. Aber ab Mitte November geht es dann auf der mechanischen Seite weiter. Was nun ansteht, ist viel Büroarbeit zuhause: Verhandlungen mit Sponsoren, Fahrern und dem Team. Dann müssen die Trainings im nächsten Frühjahr geplant werden. Auch Ausstellungen und Boxenstoppdemos müssen geplant werden. Momentan ist sicher mehr Planungsphase, wobei diese bereits im Juni und Juli begonnen hat.

Kannst du mir die vergangene Saison in drei Schlagwörtern beschreiben?
gekämpft, nicht aufgegeben, dankbar

Kannst du mir nun erläutern, wie du jetzt gerade auf diese drei Schlagwörter gekommen bist?
Wenn ich die Saison beschreiben muss, pro Rennen ein Satz. Ich muss schnell nachlesen, ich habe es mir aufgeschrieben. Wir haben uns in Le Mans zurückgekämpft, wir hatten in Spa ein schwieriges Rennen gemanagt, wir haben in Barcelona gewonnen und durften das Rennen am Bol d’Or auf dem Podium abschliessen.
Wir haben zurückgekämpft, am Bol d’Or wie in Le Mans. Wir hatten zwei schwierige Starts an den 24 Stunden Rennen. In Spa hatten wir ein schwieriges Rennen, generell eine schwierige Woche. Acht Stunden Rennen sind kurze Rennen, für uns eigentlich ein Sprint, und das ist nicht unsere Paradedisziplin. Wir sind ein Team für 24 Stunden, acht Stunden sprechen eher gegen uns. Klar, Barcelona durften wir gewinnen. Wir sind als Favorit angereist, wir hatten sicher auch den Favoritendruck. Letztes Jahr wurden wir in Folge von Stürzen nur Zweiter. Dieses Jahr hatten wir ein fehlerloses Rennen. Damals sagte ich mir, wenn ich mit diesem Schwung zum Bol d’Or gehen kann, dann wird es gut. Auch dort haben wir gekämpft und nicht aufgegeben. Am Schluss sind wir einfach dankbar, dass wir als Team dies erleben dürfen, diesen Traum, der nicht selbstverständlich ist.

Beim Bol d’Or Rennen habt ihr auf dem 14. Platz gestartet, zwischendrin wart ihr auf dem 51. Platz und schlussendlich habt ihr das Rennen auf dem dritten Platz beendet. Wie ist das möglich?
Wir hatten eine solide Woche. Es gab noch ein kleines Elektronikupdate, weil wir ein Problem beim Starten des Motorrads hatten. Das hat weitere Updates mit sich gezogen. Wir konnten wieder einmal sehen, dass andere Teams auch schnell sind, daher nur der 14. Startplatz. Wir sind sehr gut gestartet, hatten dann früh ein Problem mit der hinteren Achse, dann mit dem Kühler, und ein Sensor hat sich auch noch verabschiedet. Das alles hat uns immer wieder zurückgeworfen. In der Nacht hatten wir noch zwei weitere kleine Probleme, die man im Fernsehen gar nicht so mitbekommen hat. Und dann standen wir am Schluss des Tages auf dem Podest. Klar, für uns ist es ein achter Platz, vor uns waren noch fünf Stockteams platziert. Wir wurden Achter, ganz klar, und das kommunizieren wir auch so. Wir durften aber in der EWC Klasse auf dem dritten Rang abschliessen. Das klingt etwas spektakulärer. Aber wir sind Achter geworden, dies soll die Leistung nicht schmälern, es war gewaltig, was die Fahrer und das Team geleistet haben. Mit all den Problemen hätten wir auch aufgeben können, haben wir aber nicht getan und wurden effektiv belohnt. Das gönne ich meinen Fahrern von Herzen, es war ihr erstes Podium. Auch dem Team gönne ich es, wie sie die Fahrer auf dem Podium sehen durften.

Wie geht es dir während einer solchen Aufholjagd?
Wie soll ich sagen, ich will es nicht falsch ausdrücken. Nur als Beispiel: In Le Mans war ich so angespannt wegen dieser Situation mit Regen und dann wieder trocken. Das war eine Riesengeschichte bei der Startaufstellung. Alex, nachdem er zweimal stürzte, habe ich auf die Schulter geklopft und ihm gesagt: «Merci, du hast mir alle Spannung genommen». In diesem Moment waren wir Letzter und wir konnten nur noch gewinnen. Klar ist es bitter, aber du gibst nicht auf und ich als Chef muss das Team auch motivieren und darf den Kopf nicht hängen lassen. Im Vergleich: Wenn du einfach das Rennen durchfährst, bist du richtig nervös. Man denkt die ganze Zeit, irgendetwas muss noch passieren, wir hatten ja noch nichts. Nicht dass ich das will, aber wenn du mit einem Problem startest, bist du etwas entspannter. Nicht weil du es brauchst, aber du hast nur noch eine Richtung, nach vorne.

Wie hält man sich, ausser mit Nervosität, 24 Stunden wach?
Lacht. Wir sind alles unterschiedliche Menschen und jeder geht mit dem Schlaf oder dem Schlafmangel anders um. Jeder Mensch verändert sich, wenn er müde ist. So gut wie du die 20 oder 30 Menschen um dich herum kennst, du lernst sie anders kennen, wenn sie zum ersten Mal müde sind. Manche sind dünnhäutiger, andere muss man am Schluss vielleicht etwas motivieren. Ich kann nicht für alle sprechen, ein paar legen sich effektiv kurz hin, andere ziehen es durch. Fünf Runden vor dem Boxenstopp und zwei bis drei Runden nach dem Boxenstopp sind wir wach. Danach dürfen sie es sich bequem machen, in einer Ecke auf einem Stuhl oder hinten bei den Pneus, wo es warm ist. Klar, man muss dann innerhalb von Sekunden schalten können. Aber man ist da so in einem Ding drin, man kann nicht richtig runterfahren. Bei den Fahrern ist es so: Wenn Pedro schlafen geht, liegt Alex zwar, schläft aber nicht gross, und Nico ist immer in seinem Camper und schläft nicht, er sitzt aufrecht im Bett. Wir haben Leute im Team, die schlafen gar nicht. Ich und Nicole, meine Stellvertreterin, schlafen gar nicht. Es kommt aber vor, dass wir kurz die Augen entspannen. Wenn in der Nacht eine Safetycarphase ist, was ich nie hoffe, dann kann man am meisten entspannen. Meine schlimmste Woche waren einmal 49 Stunden mit 7 Stunden Schlaf. Das merkt man dann aber auch. Da habe ich auch das Feierabendbier weggelassen.

Was macht euch konkurrenzfähig?
Es gibt sicher sehr viele Teams, die schneller sind als wir, auch Privatteams, die schneller sind als wir. Das sieht man im Quali, alle reden vom dritten Platz, im Quali waren wir auf Platz 14. Ich wage zu behaupten, wir sind unter Umständen ein Team, das aufgrund von Erfahrung, aufgrund der erfahrenen und guten Fahrer, aber auch aufgrund unserer peniblen Arbeitsweise als Schweizer, wenn ich das so sagen darf, vorne mit dabei ist. Am Schluss ist das unser Schlüssel. Wir sind kein Team für acht Stunden, wir sind ein Team für 24 Stunden, und in 24 Stunden können alle anderen Teams mehr Fehler machen. Am Schluss wird nicht der Schnellste Weltmeister, am Schluss ist der der Beste, der das Rennen fehlerfrei abschliessen kann. Klar, heute ist das Niveau so hoch, bei den ersten fünf geht es schon darum, wer der Schnellste ist. Wenn du keine Fehler machst und du durchfahren kannst, dann bist du in der Langstrecke vorne mit dabei.

Die Bilder sind vom Team Bolliger, Nilaus Räz, Sébastian Virieux und Marc Furrer und von mir.




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