Langsam wird es zur Routine: aufstehen, zum Cateringzelt laufen und frühstücken. Danach muss ich meistens vor der Box warten, da ich es kaum erwarten kann loszulegen und die anderen noch beim Frühstück sind.
Heute steht Folgendes auf dem Plan: Qualifying, Pitwalk und ein Besuch auf dem berüchtigten Campingplatz. Der zog mich gestern Nacht schon magisch an. Dort werden Motorräder regelmässig in den Begrenzer gejagt. Da die Motorräder ja meist zu wenig laut sind, wird noch ein Trichter aus Metall angebaut. Das hört man dann überall. Viele regen sich darüber auf, bei mir hatte es Muskelkater in den Mundwinkeln zur Folge.
Mein heutiges Ziel war es, ein wenig aus der Box zu kommen, um mir die verschiedenen Tribünen anschauen zu können. Am Morgen passte ich noch ein Video von gestern an. Dabei kam Kevin vorbei und meinte, ich solle rausgehen und schauen, denn es fahren Menschen mit einer Gehbehinderung, Lähmung oder Prothese. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Also schnell zur Tribüne hoch, um nichts zu verpassen.
Schneller gesagt als getan. Hier sind jeden Tag mehr Wege abgesperrt und verriegelt. Bis ich auf der Tribüne war, habe ich das halbe Training verpasst. Mein sozialpädagogisches Herz ging auf, als ich die Herren mit Gehbehinderung fahren sah.
Nach diesem unvergesslichen Erlebnis wollte ich unbedingt einen solchen Fahrer kennenlernen. Ich nahm einen Kaffee mit, um auf dem Weg dorthin auf einer mir noch unbekannten Tribüne meine obligate Kaffeepause zu geniessen. Ich fand eine, wo ich ganz nah an der Strecke sass. Während ich hier alleine mit meinem Kaffee sass und die Motorräder an mir vorbeischossen, wurde mir wieder einmal klar, was ich hier gerade erleben darf. Das ist kein MotoGP-Rennen, bei dem ich Fahrer sehe, die ich nur vom Fernseher kenne. Hier fahren Nico, Kylian, Alex und Ville mit, die ich seit bald fünf Tagen begleite und mit denen ich die Tage verbringe. Ich darf diesen Sport hautnah erleben, wie es viele ihr ganzes Leben lang nie erleben können. Das ist einfach toll und ich musste die eine oder andere Freudenträne wegwischen. Danke Kevin und danke an das Team Bolliger.
Nachdem der mittlerweile kalte Kaffee getrunken war, machte ich mich auf den Weg ins Fahrerlager der Fahrer mit einer Gehbeeinträchtigung. Kevin zeigte mir auf dem Lageplan, wo sich dieses befinden sollte. Dort angekommen fand ich aber etwas ganz anderes vor: das Fahrerlager der Seitenwagen. Da freute ich mich. Ich schaute in jedes einzelne Zelt der Teams und beobachtete sie beim Schrauben. Währenddessen überlegte ich mir Fragen auf Englisch und Französisch, denn ich wollte eines der Teams ansprechen und mehr erfahren. Wie es der Zufall wollte, benötigte ich die englischen und französischen Fragen nicht, denn eines der letzten Teams im Fahrerlager war ein Schweizer Team, das Team Schlosser.
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und stellte mich kurz vor. Markus Schlosser, der Fahrer, war erstaunt, dass ich nichts von ihnen wusste. Trotz anstehendem Training nahm er sich kurz Zeit für mich und beantwortete meine Fragen. Die Seitenwagen sind geklebt und vernietet. Angetrieben werden sie von einem Yamaha R6 Motor. Für diese Meisterschaft ist ein Motor mit 600 Kubik vorgeschrieben. Hauptsächlich wird mit dem R6 Motor gefahren, es gäbe aber ein Team, das einen Kawasaki Motor hat, meinte Markus Schlosser. Ich schoss noch ein paar Bilder, bedankte mich und verschwand mit riesiger Freude.
Auf dem Weg zurück besuchte ich noch eine weitere Tribüne, um ein paar Fotos zu schiessen. Während meines Ausflugs lief das zweite Qualifying für das Team Bolliger. Am Schluss fuhren sie den 14. Platz heraus. Danach ging es zum Mittagessen, es gab Älplermagronen, fein.
Nicht nur die Fahrer müssen für das anstehende 24 Stunden Rennen trainieren, auch ich als Blogger. So entschied ich mich nach dem Mittagessen für das erste Schlaftraining und legte mich für 20 Minuten hinten in den LKW Auflieger. Das tut ganz gut.
Den Nachmittag verbrachte ich mit den Actioncams von Insta360 und GoPro. Der Plan war, einen Livestream für das Rennen vorzubereiten. Dabei wäre es wichtig, dass man den Ton abstellen kann. Denn während des Qualifyings testeten wir es schon einmal und bemerkten, dass schnell vergessen geht, dass da noch eine Kamera läuft und dass alle zuhören können. Lange Rede, kurzer Sinn: Die GoPro liess sich ums Verrecken nicht richtig verbinden und bei beiden Kameras lässt sich der Ton bei einer YouTube Übertragung nicht ausschalten. Nach vielen Versuchen, dies technisch zu lösen, begann ich die Mikros abzukleben, aber auch das half nur wenig bis gar nichts. So bleibt es dabei, dass es auf meinem Instagramkanal Storys geben wird und ich einen Liveticker auf meinem Blog einrichte.
Bevor ich die Nerven verlor, ging ich nochmals raus, denn das erste Rennen, normales Distanz, der Seitenwagen mit dem Team Schlosser fand statt. Ich finde das eine so coole Rennklasse, ein Teamsport auf einem Motorrad, einfach grandios. Dass da ein Schweizer Team mitfährt den ich kurz vorher kennen gelernt habe, machte es für mich noch spannender.
In der Zeit, in der ich nicht wirklich vorwärtskomme, machen die Mechaniker grosse Fortschritte. Sie bereiten das Rennmotorrad für morgen vor. Neue Kupplung, neuer Kühler, neuer Auspuff und das Getriebe wird geöffnet und kontrolliert. Das Ganze sollte vor dem Pitwalk, bei dem alle Zuschauer in die Boxengasse kommen dürfen, fertig sein. Und das war es auch. Wenig überraschend nach dem, was ich hier alles erlebt habe. Da die Box immer voller wird mit Besuchern und ich noch diesen Text schreiben wollte verzog ich mich in das Media Center und schaut mal welchen Ausblick ich hatte(letztes Bild).
Dann kommen die Menschen und die Boxengasse füllt sich immer mehr. Es ist schön zu sehen, wie sich die Menschen über die Begegnung mit den Fahrern, aber auch mit dem Team, freuen.
Nun lest ihr die letzten Zeilen dieses heutigen Berichts, denn jetzt mache ich Feierabend und freue mich auf den Besuch vom Spedy Gonzales Fanclub auf dem Campingplatz. Darüber lest ihr dann morgen.
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