Europatour#9 - zwei Wochen als Biobauer

Die letzten zwei Wochen war ich in Norwegen, eine Stunde von Oslo, in Bjorkelangen auf einem Hof und arbeitete dort für Kost und Logis. Das Ganze heisst wwoofen (world wide opportunities on organic farms) und wird von der gleichnamigen Website organisiert. Man kann sich auf der ganzen Welt über diese Website bei Farmen melden und dann da für eine gewisse Zeit mithelfen.



Am 26. August bin ich auf dem Hof Frilund angekommen. Der Empfang war sehr freundlich, Ingunn (die Chefin), mit der ich gemailt habe, begrüsst mich und zeigt mir gleich das Zimmer. Es war Sonntag und am Abend vorher hatten sie Tag des offenen Hauses, so war noch vieles zu tun und ich konnte gleich mithelfen. Als ich mich so bei den Leuten am Vorstellen bin, begrüsst mich einer plötzlich mit Grüezi. Es ist Andrea, er ist ursprünglich aus dem Bündnerland und ist vor 30 Jahren, nach einer Nordkapptour per Autostop, hier hängengeblieben. Er lebt hier mit seiner Frau Kerstin und Hund Santi. Des weiteren leben auf dem Hof noch die Mutter von Ingunn und Ingunns einer Sohn Vidar, mit Freundin Anika und Sohn Hasse. Neben mir ist noch eine andere Wwooferin da, Marion aus Österreich. Der Hof lebt hauptsächlich vom Gemüse. Sie haben jedoch noch sechs Milchkühe und drei Kälber. Der Hof hat einzelne Felder, wo gewisse Kunden ihr Gemüse selbst ernten können, frischer gehts nicht mehr.

Den extremen Sommer kann man auch hier hautnah miterleben. Die Temperaturen sind nun runter gekommen, jedoch bleibt ein grosser Teil der Ernte aus. Zum Beispiel muss Ingunn einen Teil des Futters einkaufen, denn der zweite Schnitt des Grases fiel sehr mager aus, da es nicht nachwachsen konnte. In Norwegen gibt es Bauern, die Futter aus Polen, Lettland und sogar aus den USA importieren. Normalerweise kostet eine Rundballe Silage 350 norwegische Kronen (40 Franken), im Moment werden sie mit bis zu 2000 norwegischen Kronen (231 Franken) gehandelt. Auch die Gemüseernte fällt dieses Jahr mager aus, jedoch nicht so schlimm.

Die Arbeitszeiten waren ganz in Ordnung. Marion und ich mussten um 8 aufstehen um das Morgenessen geniessen zu können. Danach ging es raus, meist wurden als erstes die Kälber gefüttert. Später gab es dann ganz unterschiedliche Arbeiten. Um halb eins gings in die 1.5h lange Mittagspause und um 5 war schon wieder Feierabend.



Neben dem Kälber füttern, halfen wir im Stall mit, kümmerten uns um den Kompost und ernteten vor allem Gemüse. Ich muss zugeben, das ganze Biozeugs sagte mir bis anhin nicht so zu, jetzt nach zwei Wochen mithelfen und sehen, dass man doch langsam zur Welt schauen sollte, macht es für mich immer mehr Sinn.
In der ersten Woche mussten wir uns zum Beispiel um den Kompost kümmern. Das hiess die neuen Küchenabfälle mit dem alten Kompost und Mist zu kombinieren. Zuerst wurden die Küchenabfälle ausgebreitet, darauf kam frischer Mist, danach alter Kompost dann Stroh und das wurde zweimal wiederhollt. Am Schluss kam noch eine Schicht frisches Stroh drauf. Im Kompost haben wir 21 Mäuse gefunden, natürlich wurden alle fein säuberlich umgesiedelt.
Geerntet wurden Ackerbohnen, Tomaten und Kartoffeln. Die Ackerbohnen werden zwischen den Kartoffeln gepflanzt, damit diese besser gedeien. Dieses Jahr gab es nicht genug Ackerbohnen, damit man von diesen noch welche in der Küche verwenden konnte, es werden alle für die nächste Saat gebraucht. Die Kartoffel wurden mit einer Maschine aus dem Boden geholt und wir durften Sie dann von Hand zusammensammeln und danach im Schuppen sortieren, was ziemlich die ganze zweite Woche für sich beansprucht hat. Jedoch war das Wetter sonnig und bis zu 25 Grad warm, also war die Stimmung auch bestens. Die Kartoffelstaude wächst aus einer sogennanten Mutterkartoffel, die nicht gegessen werden kann. Dies hab ich leider erst in der mitte des Feldes ganz verstanden, zum Glück waren aber die meisten Mutterkartoffel faul. Samstags wurde jeweils nur morgens gearbeitet, Nachmittg war frei. Am Morgen mussten wir jeweils putzen. Ja nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung aber mit Bob Dylan und Jonny Cash geht es sehr gut.

Die Leute hier waren richtig cool. In Norwegen, eigentlich in ganz Skandinavien, können alle English, da die Filme nicht synchronisiert sind. Also konnte ich mich wunderbar verständigen, ich hatte oft mehr Probleme Marion (aus Österreich) zu verstehen als die Norweger. Wieso? hier ein paar Begriffe in Deutsch und Österreicherdeutsch:
Nastuch - Rotzfätze
Wischlappen - Fätzen
Wischen - Kehren
feucht Aufnehmen - Wischen
Kartoffel - Ärpfel
Schubkarre - Scheibtruhe
Flädlisuppe - Fritattensuppe
Crepe - Palatschinken

Natürlich habe ich auch ein paar Norwegische Wörter gelernt:
Danke - Takk(auf schwedisch das selbe, was die Aussprache betrifft)
Vielen Dank - tusen Takk
Verdammt - Fan(auf schwedisch das selbe, was die Aussprache betrifft)
Messer - Kniv
Gabel - Gaffel
Löffel - Skjer(Scher ausgesprochen)
Käse - Ost(Ust ausgesprochen)

Ingunn, Kerstin und Andrea sowieso, verstanden alle auch Deutsch falls es gerade nicht geklappt hat. Der Hof ist eine sehr offene Umgebung, es sind immer wieder neue Leute aufgetaucht und es blieb immer interessant.

Zum Beispiel Saskia, die vor langer Zeit hier mal ein Praktikum gemacht hat, ist eine Künstlerin aus Holland, welche am letzten Samstag in der Nähe von Bjorkelangen eine Austellung hatte. Natürlich besuchten wir an unserem freien Nachmittag mit Andrea diese Austellung, ausser das ich nicht viel verstanden habe, war's ganz nett. Sie fertigt Masken aus Keramik. Eigentlich wie Porträts einfach in 3D. Am Sonntag darauf durften wir dann selbst noch töpfern, es wurde eine eintönige Flöte, eine sogenannte Okkarina, getöpfert, unter der Anleitung von Saskia. Ehrlich, töpfern ist nicht so meins, denn mir fehlte die Geduld, das Fluchen musste ich dann auch unterlassen, weil mich dann doch die Hälfte verstanden hat. Schlussendlich klappte es dann. Die Flöte besteht aus einem grossen Hohlraum den man dan nach eigenem ermessen formen konnte. Bei mir gab es einen Punkkopf mit Nasenring.



Auch mit der Familie hier hatte ich eine richtig coole Ziet. Ingunn hat immer sehr gut gekocht, mit viel Gemüse aber gut. Wenn ich aber ganz ehrlich bin, so ein richtiges geiles Steak würd ich jetzt gern verschlingen. Wir haben auch selbst gekocht, einmal hat mir Marion gezeigt wie Pfannkuchen gehen und als Abschluss habe ich vorgestern dann noch Älplermakronen gekocht, glücklicherweise haben es alle ohne Magenverstimmung überlebt.Bald merkte Ingunn dass ich immer sehr hungrig war, so wurde die zweite Portion ohne fragen einfach hingestellt. Beim Morgenessen mit Ingunn und Marion wurde auch oft politisiert und über Gott und die Welt geredet, was ganz cool war. Bei Andrea und Kerstin durfte ich am Notebook endlich meine Fotos hochladen, ich hoffe ihr habt sie schon gesehen. Den 5 Monate alten Sohn von Vidar und Anika, konnte ich erst gestern Abend so richtig kennen lernen, als er beim Nachtessen neben mir gesessen hat. Kurz vor dem Essen übten wir zusammen das High Five. Er kann's schon richtig gut und wir beide haben uns richtig darüber gefreut. Das Problem war danach wollte er nicht mehr essen und nur noch mit meiner Hand spielen. Vidar meinte wenn ich wirklich morgen gehen will, dann ist vielleicht etwas mit meinem Motorrad, denn Hasse, so heisst der kleine, will mich nicht gehen lassen. Schon süss der kleine.

Nun geht es morgen Sonntag in Richtung Süden. Lasst Kommentare, Kritiken, Anmerkungen und Grüsse da, ich freu mich saumässig darüber.

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